Aktion gegen die Ausbreitung der Kermesbeere.

Mitglider von BI Pro-Waldschutz und der AG Hardtwald trafen sich am Samstag, den 05. Juni zur gemeinsamen Aktion im Hardtwald bei Hockenheim.

Neophyten – Kermesbeere und Späte Traubenkirsche – breiten sich aus.

Text von:

Michael Weiß

Neophyten sind Adventivpflanzen, die erst in jüngerer Zeit zu uns eingeschleppt wurden, aber mittlerweile fester Bestandteil unserer Flora geworden sind.
Oftmals stellen Neophyten ein ökologisches Problem dar, da in der neuen Umgebung ihre Konkurrenten oder an sie angepasste Schadinsekten fehlen. Dadurch sind sie häufig sehr starkwüchsig und neigen zu Monokulturen, so dass die ursprünglich heimische Vegetation großflächig verdrängt wird.
Im Waldschutzgebiet Schwetzinger Hardt haben wir es mit zwei Pflanzen zu tun, der Amerikanischen Kermesbeere und der Späten Traubenkirsche.

Kermesbeere im Sandhäuser Wald

Amerikanische Kermesbeere

Die Amerikanische Kermesbeere ist aus Nordamerika eingewandert.
Mit ihren wuchernden Wurzeln bedrängt sie in unseren Wäldern heimische Arten. Sie wächst überall, wo ein bisschen Licht hinkommt und kann bis zu 2,5 Meter hoch werden. Zudem ist sie so wuchsstark, dass sie deutlich schneller wächst als alles um sie herum und alles andere unter ihr schlicht vertrocknet. Ob Keimlinge von Buchen, Eichen, oder Weißdorn – da tun sich alle anderen Pflanzen schwer.

Kampf gegen die Kermesbeere

Bei der Bekämpfung müssen die Stauden einzeln entfernt werden, mit etwas Glück kann man sie im Frühsommer, wenn es feucht ist und die Wurzeln noch jung sind, einzeln ausreißen.
Meist aber muss man sie mit Spaten und Gabel ausgraben, ehe die Pflanze neuen Samen bildet. Die kräftige, rübenartige Herzwurzel der Pflanze kann, zusammen mit seitlichen Zugwurzeln, bis zu einen Meter tief in den Boden wachsen; dazu kommen noch horizontale Ausläufer die bis zu vier Meter Länge.
Zwar stirbt das Kraut der Pflanze im Herbst ab, doch die Wurzel wird anschließend nur noch stärker und treibt, wenn man sie im Boden lässt, im nächsten Frühjahr noch größer aus, um wieder neue Samen zu bilden.

Zudem ist es mit dem Ausgraben allein nicht getan.
Um zu verhindern, dass Samen im Wald bleiben oder später über den Kompost verbreitet werden, können die Pflanzen auch nicht einfach als Grünschnitt entsorgt werden. Sie müssen auf Planen gesammelt und anschließend verbrannt werden.

 

Ausgegrabene Jungpflanze

 

Wie man beim Ausgraben der Kermesbeeren-Wurzelknolle vorgeht und dabei die neu gepflanzten Bäumchen schont zeigt die Pädagogin, Naturschützerin und BI Mitglied Cordula Kienle.

Sabine Hebbelmann

An vielen Stellen im Hardtwald macht sich jetzt wieder die Kermesbeere breit. Die invasive Staude nutzt die offenen Stellen, die durch absterbende und gefällte Kiefern entstehen, und breitet sich massiv aus. Die bürgerschaftliche ‘Aktionsgemeinschaft Hardtwald’ um Klaus Frohn, Peter Schimass und Norbert Wilkens hat ihr den Kampf angesagt und hatte heute in Absprache mit dem Forst zu einer größeren Aktion eingeladen. Viele sind – mit Spaten und Handschuhen ausgerüstet – der Einladung gefolgt. Auf einem Kahlschlag bei Hockenheim, wo zwischen neu gepflanzten Eichen und Walnußbäumen die unerwünschten Stauden in großer Zahl gedeihen, führte Norbert Wilkens in das Thema ein und zeigte, wie der Kermesbeere am besten beizukommen ist.

Sabine Hebbelmann

Spätblühende Traubenkirsche

Die Späte Traubenkirsche wird von Förstern wenig schmeichelhaft „Waldpest“ genannt, weil sie sich invasiv ausbreitet und andere Pflanzen und Sträucher unterdrückt.
Ursprünglich kommt sie aus Amerika.
Ende des 19. Jahrhunderts erhoffte man sich von ihr hohe Wuchsleistungen und kirschähnlich gemasertes Wertholz, weil die Späte Traubenkirsche in ihrer Heimat ein guter Holzlieferant war. Doch diesen Gefallen tat das Gehölz den Europäern nicht, ganz im Gegenteil: Sie wird bei uns aufgrund anderer Witterungsbedingungen nur ein ausdauernder und wuchernder Strauch.

Wuchernde Späte Traubenkirsche (Beispielbild)

Wenn sich die Späte Traubenkirsche in einem Wald selbständig ausgebreitet hat, ist sie nur mit großem Aufwand wieder herauszubekommen.
Sie kommt mit fast allen Bedingungen klar: Sie wächst auf sandigen und auf Lehmböden, kommt mit einem sauren bis schwach basischen pH-Wert des Bodens zurecht und mag sowohl Sonne als auch Schatten. Durch ihr Herzwurzelsystem ist sie äußerst standhaft, trotzt Wind und Sturm und verträgt selbst harte Fröste. Eigentlich also ein idealer Baum – wenn sie denn ein Baum wäre.

Späte Traubenkirsche mit Blüte

Viele NABU- und BUND-Kreisverbände rufen überall wo die Späte Traubenkische auftritt zum aktiven Arbeitseinsatz gegen sie auf, denn sie vermindert den Artenreichtum von Blütenpflanzen. Sie bildet nämlich eine fast undurchdringliche Strauchschicht und hindert andere Gehölze und Sträucher am Aufwachsen, sodass die Naturverjüngung gestört ist. Vögel, Wildschweine und Füchse fressen ihre Früchte und tragen so zur enormen Verbreitung bei.